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Freiheit als höchstes Lebensgut | Well

Freiheit als höchstes Lebensgut

Hochkranke und Gebrechliche geistig und körperlich schützen
Josef Wassermann

Josef WassermannSchicksale von Freiheitsberaubungen lösen beklemmende Gefühle aus. Ihre Vielfalt scheint auf unserem Globus keine Grenzen zu kennen. Niemand wünscht sich, in eine solche Situation zu geraten. Erst recht nicht, wenn wegen des Alters weder physische noch psychische Wehrmechanismen greifen. Doch gerade ältere Menschen, oftmals Pflegebedürftige, werden aus unterschiedlichen Gründen häufig ihrer Freiheit beraubt. Und das von jenen, in deren Abhängigkeit sie sich befinden, die für ihren Schutz und ein würdevolles Altern verantwortlich sind. Dabei ist das Verständnis von Schutz relevant.

Der „Werdenfelser Weg“
Eine Lösung zeigt der mit dem Janssen-Cilag-Zukunftspreis 2012 ausgezeichnete „Werdenfelser Weg“. Wir versuchen, uns im Rahmen des bestehenden Rechts darüber einig zu werden, dass die persönliche Freiheit für alle Menschen ein besonders schützenswertes Gut darstellt und auch das Eingehen von gewissen Risiken rechtfertigt.

fixierung

Die Gemeinschaftsinitiative „Werdenfelser Weg“ baut sehr stark auf Kommunikation auf. So sind Richter, Angehörige, Pfleger und Rechtsanwälte im regelmäßigen Austausch. Miteinander reden öffnet neue Horizonte und Lösungen und erzeugt Resonanz. Resonanz auf den Wunsch der Angehörigen, dass ihren Pflegebedürftigen nichts passieren soll; sie sich nicht verletzen, z. B. durch einen Sturz. Diese Angst ist in der Bevölkerung weit verbreitet und treibt die Verantwortlichen oft zu drastischen freiheitsentziehenden Maßnahmen, wie z. B. Bauchgurte, Bettgitter oder andere Fixierungssysteme.

Dass diese vermeintlichen Schutzmaßnahmen oft erhebliche gesundheitsgefährdende Wirkungen haben, ist den meisten Angehörigen und Pflegenden oft nicht hinreichend bekannt. Hier setzt der „Werdenfelser Weg“ an: bei der Aufklärung. Wir haben es geschafft, allein durch einen Perspektivenwechsel und eine veränderte Gesprächskultur die Situation völlig anders zu betrachten und zu entscheiden, nämlich zugunsten der zu pflegenden Menschen.

Ziel ist es, die Fixierung nur als allerletztes Mittel zu verwenden. Dabei hilft ein vom Gericht beauftragter Verfahrenspfleger, der mit pflegefachlichen Kenntnissen die jeweilige Situation mit allen Beteiligten bespricht.

„Kommunikation und Netzwerke sind neben der Rechtssicherheit elementar“

„Mobilisierung statt Fixierung“ ist eines der Schlagworte. Wir wollen die Würde des Menschen in seiner immer kleiner werdenden Welt möglichst lange erhalten. Niemand will ohne Grund in seiner Freiheit eingeschränkt werden. Deshalb gilt es, diese Freiheit zu bewahren, für sich und auch für andere. Viele Einrichtungen haben bereits umgedacht und gehen einen nahezu fixierungsfreien Weg. Die Initiative unterstützt die Einrichtungen dabei und bildet die Einrichtungsleiter und Pflegedienstleiter fort. Diese Häuser haben dann die Möglichkeit, mit den „Werdenfelser Werten“ zu werben. w

Testen Sie die Pflegeeinrichtung:

Wenn Sie auf der Suche nach einer Einrichtung sind, fragen Sie sich:

  • Wie wird das Thema Fixierung gehandhabt?
  • Gibt es einen Beauftragten für „Alternativen zu Fixierungen“?
  • Stehen genügend technische Hilfsmittel zur Verfügung, z. B. Niedrigflurbetten, „Gehfrei für Erwachsene“, Protektoren?
  • Wie sind die Ausstattung und die räumliche Situation?
  • Werden Mobilisierungstrainings angeboten?
  • Gibt es genügend Aktivierungsprogramme?
  • Ist die Einrichtung mit den „Werdenfelser Werten“ ausgezeichnet?

Josef Wassermann, Diplom-Sozialpädagoge (FH), ist Mitbegründer und seither der „mediative Kopf“ der Idee des Werdenfelser Weges. Seit 2007 haben sich diesem Konzept deutsch- landweit über 130 Städte und Landkreise angeschlossen.
Näheres auf: www.werdenfelser-weg-original.de